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Inventarisierung · Klassifikation · Governance

KI-Inventar: Warum ist es Voraussetzung für alle weiteren Compliance-Maßnahmen?

Von Ing. Mag. Patrick Eiler

Bevor Risikoklassifikation, Betreiberpflichten oder ein KI-Managementsystem belastbar werden, muss eine Grundfrage beantwortet sein: Welche KI-Systeme setzen Sie tatsächlich ein?

Welche Maßnahmen hängen vom KI-Inventar ab?

Jede weitere EU AI Act-Maßnahme setzt voraus, dass das Institut weiß, welche KI-Systeme es verwendet: Risikoklassifikation, Konformitätsbewertung, Fundamental Rights Impact Assessment, Vendor-Management, Schulungsplanung und laufende Überwachung.

Die entscheidende Frage lautet nicht nur: "Welche KI haben wir bewusst eingekauft?" Entscheidend ist: "Welche unserer Software-Systeme enthält KI-Komponenten im Sinne des EU AI Act, und wie werden diese im konkreten Fachprozess genutzt?"

Woran scheitert eine strukturierte Bestandsaufnahme?

Typischerweise an vier Stellen: Vendor-KI, Schatten-KI, isolierten Abteilungen und der Rollenklärung.

Vendor-KI ist nicht als solche ausgewiesen

Software-Anbieter bezeichnen ML-Komponenten häufig als Advanced Analytics, Smart Features oder Copilot-Funktionen. Die regulatorische Klassifikation erfordert technisches Verständnis und Kenntnis der Abgrenzungskriterien.

Schatten-KI ist per Definition nicht inventarisiert

Consumer-KI-Tools und nicht genehmigte interne Tools erscheinen in keiner offiziellen IT-Liste. Ihre Erfassung erfordert technische Discovery und organisatorische Befragungen, bei gleichzeitiger Wahrung von DSGVO, Arbeitsrecht und Mitarbeiterrechten.

Abteilungen arbeiten isoliert

IT kennt Systeme, Einkauf kennt Verträge, Fachabteilungen kennen Nutzung, Compliance kennt Anforderungen. Keine einzelne Abteilung hat das Gesamtbild. Ein tragfähiges Inventar braucht einen koordinierten Aggregationsprozess.

Rollenklärung nach Art. 25 ist rechtlich komplex

Für jedes System muss geprüft werden, ob das Institut Anbieter oder Betreiber ist. Bei Modifikation, Branding oder Zweckänderung kann sich die Rollenlage ändern.

Was enthält ein regulatorisch belastbares KI-Inventar?

Acht Angaben je System, von Name, Version und Anbieter über die Rolle nach Art. 25/26 und die Annex-III-Zuordnung bis zu Oversight und Review-Zyklus.

  • Systemname, Version und Anbieter; bei GPAI-Diensten zusätzlich Modell, Modellversion, Zeitpunkt des Inverkehrbringens und tatsächlich genutzter Dienst
  • Vertragsgrundlage, Systemverantwortung und Fachprozess
  • Funktionsbeschreibung und tatsächliche Nutzung
  • EU AI Act-Risikoklassifikation und Annex-III-Zuordnung
  • Rollenklärung nach Art. 25 und Art. 26
  • Status der Dokumentation und Anbieterunterlagen
  • CSRD-/ESRS-Relevanz bei Bias-, Diskriminierungs- oder Menschenrechtsrisiken
  • Oversight-Person, Eskalationspfad und Review-Zyklus

Dieses Inventar ist kein statisches Dokument. Es muss bei neuen Systemen, wesentlichen Updates und geänderter Nutzung aktualisiert werden. Es ist Grundlage für Reporting, Risk Committees und Aufsichtsgespräche.

Erfahrungswert aus der Praxis

Eine vollständige Erstbestandsaufnahme bei einem mittelgroßen österreichischen Finanzinstitut benötigt typischerweise mehrere Wochen. Ohne strukturierte Methodik werden vor allem Vendor-KI, Fachbereichsnutzung und HR-nahe Systeme leicht übersehen.

Ing. Mag. Patrick Eiler

Über den Autor

Ing. Mag. Patrick Eiler

Patrick Eiler berät Banken und Versicherungen in Wien zu aufsichtlichem Meldewesen, Datenarchitektur und KI-Compliance. Über zwanzig Jahre in Banken, Versicherungen und Finanzdienstleistung; Vortragender beim Hypo-Verband (Fachsitzung 23. September 2026).

Strukturierte Erstbestandsaufnahme

Wir begleiten Sie von der ersten Bestandsaufnahme bis zur vollständigen KI-Governance-Struktur mit methodischem Vorgehen und Finanzmarktkenntnis.

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Hinweis: Diese Seite dient der allgemeinen Information und stellt keine Rechtsberatung dar. Inhalte beziehen sich auf den Stand Oktober 2026.