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EU AI Act · ISO/IEC 42001 · KI-Governance

Glossar der Schlüsselbegriffe für KI-Compliance: Was bedeuten die zentralen Begriffe?

Von Ing. Mag. Patrick Eiler

Die wichtigsten Begriffe aus EU AI Act, ISO/IEC 42001 und KI-Governance, mit direkten Verweisen auf die passenden Themenbereiche der KI-Compliance-Seiten.

Welche Begriffe verwendet die Website und wo?

Das Glossar erklärt 29 zentrale Begriffe aus EU AI Act, ISO/IEC 42001 und KI-Governance. Die dritte Spalte zeigt, wo der Begriff im Kontext der neuen Seiten besonders relevant ist.

Begriff Definition Verwendung auf der Website
AI Management System (KIMS) Systematisches Managementrahmenwerk zur verantwortungsvollen Entwicklung, Implementierung und Nutzung von KI in einer Organisation. Basiert auf der High-Level-Structure wie ISO 9001 und ISO 27001.
Annex A Controls (ISO/IEC 42001) 38 Kontrollziele in 9 Kontrollbereichen, die operative KI-Governance-Anforderungen spezifizieren. Die Anwendung wird risikobasiert im Statement of Applicability begründet.
Annex III (EU AI Act) Liste der standalone Hochrisiko-KI-Kategorien. Für Finanzinstitute besonders relevant: Kreditwürdigkeit natürlicher Personen, Life/Health Underwriting und HR-Entscheidungen.
Automation Bias Kognitive Verzerrung: Tendenz, automatisierte System-Outputs unkritisch zu übernehmen. Das kann Human Oversight schwächen und muss durch Schulung, Stichproben und klare Übersteuerungsrechte adressiert werden.
Betreiber (Deployer) Unternehmen, das ein KI-System unter eigener Verantwortung einsetzt. Betreiber unterscheiden sich von Anbietern und tragen eigenständige Compliance-Pflichten nach Art. 26 EU AI Act.
Business Judgment Rule Haftungsprivileg für unternehmerische Entscheidungen, wenn Organmitglieder ohne sachfremde Interessen, auf angemessener Informationsgrundlage und zum Wohl der Gesellschaft handeln.
CEN/CENELEC Europäische Normungsorganisationen, die harmonisierte Normen auf EU-Mandat entwickeln. Im KI-Kontext relevant für europäische Normen unter dem EU AI Act.
Conformity Assessment (Konformitätsbewertung) Verfahren zum Nachweis, dass ein Hochrisiko-KI-System die EU AI Act-Anforderungen erfüllt. Je nach System als Selbstbewertung oder mit notifizierter Stelle.
Digital Omnibus zur KI Verordnung (EU) 2026/1744, veröffentlicht am 24. Juli 2026, in Kraft seit 27. Juli 2026. Sie ändert den AI Act und verschiebt die Hochrisiko-Fristen auf 2. Dezember 2027 (Anhang III) und 2. August 2028 (Anhang I). Art. 4, Art. 5 und die Transparenzpflichten nach Art. 50 sind nicht verschoben.
Transparenzleitlinien und EU-Icons (Art. 50) Finale Leitlinien der EU-Kommission zu den Transparenzpflichten nach Art. 50 vom 20. Juli 2026: Anbieterpflichten (Interaktionsinformation, maschinenlesbare Markierung) und Betreiberpflichten (Emotionserkennung, Deepfakes, veröffentlichte KI-Texte von öffentlichem Interesse mit Ausnahme bei redaktioneller Verantwortung). Die seit September 2026 verfügbaren EU-Icons sind freiwillig; ihre Nutzung begründet für sich keine Compliance.
Code of Practice Transparenz (Art. 50) Freiwilliger Verhaltenskodex der EU-Kommission zur Kennzeichnung KI-generierter Inhalte, finalisiert am 10. Juni 2026 mit rund 190 Unterzeichnern bis Ende Juli 2026. Konkretisiert die seit 2. August 2026 geltenden Transparenzpflichten nach Art. 50 Abs. 2, 4 und 5; nicht zu verwechseln mit dem GPAI Code of Practice vom 10. Juli 2025.
Hochrisiko-Leitlinien (Art. 6, Entwurf) Entwurf der EU-Kommission vom 19. Mai 2026 zur Einstufung von Hochrisiko-KI-Systemen nach Art. 6, mit Praxisbeispielen unter anderem zu Kreditwürdigkeit und Beschäftigung sowie zur Dokumentation von Ausnahmen nach Art. 6 Abs. 3. Konsultation verlängert bis 23. Juli 2026; die finale Fassung ist laut Kommission bis Ende 2026 geplant und stand am 20. Oktober 2026 aus, der Entwurf ist nicht verbindlich.
Meldevorlagen schwerwiegende Vorfälle (Art. 73 / Art. 55) Leitlinienentwurf samt Meldevorlage der EU-Kommission für schwerwiegende Vorfälle mit Hochrisiko-KI nach Art. 73 (26. September 2025, finale Fassung ausständig) und eigene Meldevorlage für GPAI-Modelle mit systemischem Risiko nach Art. 55 (4. November 2025). Orientierung für interne Vorlagen und die Abgrenzung zu DSGVO-, DORA- und NISG-Meldungen.
CSRD / ESRS Bias-Relevanz KI-bedingte Diskriminierungs- oder Menschenrechtsrisiken können neben dem EU AI Act auch für Nachhaltigkeitsberichterstattung relevant werden, wenn sie soziale Auswirkungen, Governance, Due Diligence, Risikomanagement oder prüfbare Kennzahlen betreffen – vorausgesetzt, das Unternehmen ist nach der durch Richtlinie (EU) 2026/470 eingeschränkten CSRD (EU-Unternehmen: mehr als 1.000 Beschäftigte und mehr als 450 Mio. Euro Nettoumsatz) überhaupt berichtspflichtig und die Auswirkung ist wesentlich.
FRIA (Art. 27 EU AI Act) Fundamental Rights Impact Assessment: Folgenabschätzung für bestimmte Betreiber von Hochrisiko-KI, insbesondere Kreditwürdigkeitsbewertung und Life/Health-Insurance-Risikobewertung, vor dem Einsatz.
Gap-Analyse Strukturierter Vergleich des Ist-Zustands mit Anforderungen einer Norm oder Regulierung. Ergebnis ist eine priorisierte Liste von Lücken und Maßnahmen.
Harmonisierte Norm Norm von CEN/CENELEC, die im EU-Amtsblatt veröffentlicht wird und für bestimmte Anforderungen eine Konformitätsvermutung auslösen kann.
High-Level-Structure (HLS) Einheitlicher Kapitelaufbau moderner ISO-Managementsystemnormen. Er erleichtert die Integration von ISO 9001, ISO 27001 und ISO/IEC 42001 in ein gemeinsames Managementsystem.
IKS (Internes Kontrollsystem) System aus organisatorischen Regeln, Kontrollen, Verantwortlichkeiten und Nachweisen, mit dem Risiken gesteuert und Prozesse prüfbar gemacht werden.
KI-Compliance-Treppe Reifegradmodell von Mag. Eiler & Partner OG, das die vier Analytics-Stufen nach Gartner (Descriptive, Diagnostic, Predictive, Prescriptive) den jeweils greifenden Pflichten aus EU AI Act, DSGVO und DORA zuordnet.
Aufsichtsrat Organ der Aktiengesellschaft, das die Geschäftsführung überwacht und dafür belastbare Berichte, Einsichtsrechte und gegebenenfalls Zustimmungsvorbehalte nutzt.
Prüfungsausschuss Ausschuss des Aufsichtsrats für Prüfungs-, Berichts- und Kontrollthemen. Bei KI-Governance relevant, wenn KI IKS, Risikomanagement oder Berichterstattung berührt.
Drei-Linien-Modell Governance-Modell mit operativer Verantwortung in der ersten Linie, Risiko/Compliance-Kontrolle in der zweiten Linie und unabhängiger Prüfung in der dritten Linie.
Konformitätsvermutung Rechtliche Vermutung, dass Anforderungen erfüllt sind, wenn eine harmonisierte Norm angewandt wird. Die konkrete Wirkung hängt von der jeweiligen Norm und Veröffentlichung ab.
New Legislative Framework (NLF) EU-Regulierungsmodell: Das Gesetz legt Anforderungen fest, harmonisierte Normen konkretisieren deren praktische Umsetzung. Grundlage für CE-Kennzeichnung und Konformitätsbewertung.
EN 18286:2026 Europäische Norm „Artificial intelligence – Quality management system for EU AI Act regulatory purposes“, von CEN/CENELEC am 31. Juli 2026 als veröffentlicht bekanntgegeben (zuvor prEN 18286). Sie adressiert insbesondere Art. 17 für Anbieter von Hochrisiko-KI. Die Fundstelle wurde mit Durchführungsbeschluss (EU) 2026/2274 am 14. Oktober 2026 im EU-Amtsblatt veröffentlicht; seither besteht für die abgedeckten Anforderungen von Art. 17 eine Konformitätsvermutung.
Statement of Applicability (SoA) Dokument, das alle ISO/IEC 42001 Annex-A-Controls auflistet und je Control begründet, ob und wie es angewendet oder ausgeschlossen wird.
Vendor-KI / Shadow AI KI-Komponenten in eingekaufter Software oder nicht genehmigten Tools, die nicht explizit als KI erkannt, klassifiziert oder freigegeben wurden. Eine zentrale Quelle für Shadow-KI-Risiken.
WEIRD-Bias Systematische Verzerrung in ML-Modellen durch Trainingsdaten aus Western, Educated, Industrialized, Rich, Democratic-Kontexten. Kann zu strukturellen Benachteiligungen führen.
Hinweis zur Nutzung

Das Glossar ist als Orientierung gedacht. Für die konkrete Einordnung eines Systems bleiben Zweck, tatsächliche Nutzung, Anbieterunterlagen, Rollenverteilung und Fachprozess entscheidend.

Ing. Mag. Patrick Eiler

Über den Autor

Ing. Mag. Patrick Eiler

Patrick Eiler berät Banken und Versicherungen in Wien zu aufsichtlichem Meldewesen, Datenarchitektur und KI-Compliance. Über zwanzig Jahre in Banken, Versicherungen und Finanzdienstleistung; Vortragender beim Hypo-Verband (Fachsitzung 23. September 2026).

Begriffe klären, Umsetzung strukturieren.

Wir unterstützen Sie dabei, Fachbegriffe, Rollen und Pflichten in konkrete Governance-Prozesse für Ihr Institut zu übersetzen.

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Hinweis: Diese Seite dient der allgemeinen Information über regulatorische Entwicklungen und stellt keine Rechtsberatung dar. Inhalte beziehen sich auf den Stand Oktober 2026 und können sich durch neue Rechtsakte, Normen oder behördliche Auslegungen ändern.