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Bestandsaufnahme · Vendor-KI · Consumer-KI

Shadow-KI: das KI-Risiko, das Ihr Vorstand vielleicht noch nicht kennt

Wer glaubt, sein Institut nutze keine KI, irrt sich vermutlich. KI-Komponenten verstecken sich heute in Software, die seit Jahren im Einsatz ist, und in Tools, die Mitarbeitende ohne formale Freigabe nutzen.

Was Shadow-KI bedeutet

Shadow-KI bezeichnet den Einsatz von KI-Systemen im Unternehmen, der ohne ausreichende Transparenz, Genehmigung oder Governance erfolgt. Das klingt nach bewusstem Regelverstoß durch einzelne Mitarbeitende. In den meisten Fällen entsteht das Risiko jedoch durch strukturelle Lücken.

Form 1: Mitarbeiter-Shadow-KI

Mitarbeitende nutzen frei verfügbare KI-Tools wie ChatGPT, Claude oder KI-gestützte Übersetzungsdienste für berufliche Aufgaben, auf privaten Geräten oder im Büro, ohne formale Genehmigung. Klassische technische Sperren wirken nur begrenzt, weil sensible Kundendaten oder interne Dokumente auch über private Endgeräte in externe Systeme gelangen können.

Form 2: Vendor-KI

Die regulatorisch brisantere Form ist Vendor-KI: Software, die Ihr Institut seit Jahren einsetzt, enthält zunehmend KI-Komponenten, die durch reguläre Updates eingebunden wurden. Diese Systeme wurden oft nicht bewusst als KI klassifiziert und dennoch können Pflichten nach dem EU AI Act entstehen.

Warum Shadow-KI für Finanzinstitute besonders kritisch ist

Der entscheidende Unterschied zur klassischen Schatten-IT: KI-Systeme treffen oder beeinflussen Entscheidungen. Ein Kreditantragsteller, der durch ein nicht ausreichend geprüftes Scoring-Modell abgelehnt wird, ein Underwriting-System, das Prämien auf Basis eines Machine-Learning-Modells kalkuliert, oder eine HR-Software, die Bewerbungen automatisch vorsortiert, erzeugen keine bloßen IT-Fragen. Es geht um Governance, Nachvollziehbarkeit, Datenschutz, Arbeitsrecht und mögliche Haftung.

Gerade deshalb ist die Verbindung zum KI-Inventar zentral. Ohne strukturierte Bestandsaufnahme ist weder Risikoklassifikation noch Verantwortungszuordnung belastbar.

CSRD-/ESRS-Bezug

Wenn Shadow-KI in HR-Prozessen, Mitarbeiterüberwachung oder Kundenzugangsprozessen diskriminierende Wirkungen erzeugt, kann daraus auch ein Nachhaltigkeits- und Governance-Thema werden. Für CSRD-/ESRS-Berichte sind dann nicht nur Vorfälle, sondern auch Policies, Abhilfekanäle, Maßnahmen und interne Kontrollen relevant.

Typische Vendor-KI-Systeme in österreichischen Finanzinstituten

BereichBeispieleWas die KI dort tun kann
KernbankingTemenos, Finastra, MambuKI-Copilot in Kreditbearbeitung, Next-Best-Action-Empfehlungen
Kredit-ScoringFICO, Moody's Analytics, SASML-basierte Bonitätsbewertung natürlicher Personen
AML / Fraud DetectionNICE Actimize, Oracle FCCMAnomalieerkennung in Transaktionen, Customer Risk Rating
UnderwritingGuidewire, Sapiens, Duck CreekRisikobewertung und Prämienberechnung mit KI-Unterstützung
HR-RecruitingPersonio, SAP SuccessFactors, WorkdayBewerber-Matching und Scoring durch KI-Modelle
Chatbots / ServiceGenesys, NICE CXone, Leena AINatural-Language-Processing für Kundenkommunikation
Warum eine vollständige Bestandsaufnahme schwerer ist, als es klingt

Die Frage "Welche KI-Systeme setzen wir ein?" klingt einfach. Anbieter bezeichnen ML-Komponenten selten explizit als KI-System im Sinne des EU AI Act. Eine belastbare Erhebung erfordert die koordinierte Einbeziehung von IT, Einkauf, Compliance, HR und Fachabteilungen sowie technisches und regulatorisches Know-how.

Wissen Sie, welche KI-Systeme tatsächlich im Einsatz sind?

Eine strukturierte Bestandsaufnahme ist der erste und oft schwierigste Schritt zur EU AI Act-Compliance.

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Hinweis: Diese Seite dient der allgemeinen Information über regulatorische Entwicklungen und stellt keine Rechtsberatung dar. Inhalte beziehen sich auf den Stand Mai 2026 und können sich durch neue Rechtsakte, nationale Umsetzungsgesetze oder behördliche Auslegungen ändern.