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§ 70 AktG · §84 · Business Judgment Rule

KI-Governance: Welche Organisationspflichten hat der Vorstand?

Von Ing. Mag. Patrick Eiler

Der Vorstand muss eine Organisation schaffen, die KI-Systeme kennt, bewertet, steuert und dokumentiert; jedes technische Detail eines KI-Systems muss er nicht kennen.

Welche AktG-Pflichten begründen die KI-Organisation?

§ 70 AktG ordnet die eigenverantwortliche Leitung der Aktiengesellschaft durch den Vorstand an. § 84 AktG konkretisiert den Sorgfaltsmaßstab. Für KI-Governance heißt das: Der Vorstand muss angemessene Informations-, Kontroll- und Eskalationsstrukturen schaffen.

Die Business Judgment Rule in §84 Abs. 1a AktG schützt unternehmerische Entscheidungen nur unter Voraussetzungen: keine sachfremden Interessen, Entscheidung auf Grundlage angemessener Information und Handeln zum Wohl der Gesellschaft. Bei KI-Einsatz wird die Frage nach angemessener Information praktisch: Gibt es ein KI-Inventar? Ist die Rolle als Anbieter oder Betreiber geklärt? Sind Risiken, Human Oversight und Kontrollen dokumentiert?

Was sollte ein Vorstand organisatorisch festlegen?

Fünf Bausteine: KI-Inventar, Risikoklassifikation, Zuständigkeiten, Human Oversight und Management Review.

BausteinGovernance-Frage
KI-InventarWelche KI-Systeme werden tatsächlich genutzt, inklusive Vendor-KI und GPAI?
RisikoklassifikationWelche Systeme sind Hochrisiko-KI, welche betreffen HR, Kunden, Kredit, Versicherung oder Sicherheit?
ZuständigkeitenWer verantwortet System, Fachprozess, Compliance, Datenschutz, IT-Sicherheit und Lieferantensteuerung?
Human OversightWer kann KI-Ergebnisse prüfen, übersteuern, eskalieren und dokumentiert handeln?
Management ReviewWie häufig erhält der Vorstand eine belastbare Lageeinschätzung zu Inventar, Risiken, Vorfällen und Maßnahmen?

Abgrenzung zur Haftungsseite

Diese Seite beschreibt das positive Pflichtenprogramm: wie ein Vorstand KI-Governance gestalten kann. Die bestehende Seite Vorstandshaftung beschreibt die Risikoperspektive, wenn Governance, Dokumentation oder Überwachung fehlen.

Praktische Mindestlinie

Ein belastbarer Start besteht aus KI-Inventar, Rollenklärung, Risikoklassifikation, Policy, Freigabeprozess, Eskalationsweg und regelmäßiger Berichterstattung an Vorstand und Aufsichtsrat.

Ing. Mag. Patrick Eiler

Über den Autor

Ing. Mag. Patrick Eiler

Patrick Eiler berät Banken und Versicherungen in Wien zu aufsichtlichem Meldewesen, Datenarchitektur und KI-Compliance. Über zwanzig Jahre in Banken, Versicherungen und Finanzdienstleistung; Vortragender beim Hypo-Verband (Fachsitzung 23. September 2026).

Organisationspflichten in ein Steuerungsmodell übersetzen.

Wir unterstützen bei der Strukturierung von KI-Inventar, Rollen, Kontrollen und Management-Reporting.

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