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ArbVG · Betriebsrat · Mitbestimmung

ArbVG §§ 96/96a: Welche Rolle spielt das Arbeitsrecht in der KI-Governance?

Von Ing. Mag. Patrick Eiler

Sobald KI-Systeme Mitarbeiterdaten verarbeiten, Leistung kontrollieren oder HR-Entscheidungen unterstützen, sind Informations- und Mitbestimmungsrechte des Betriebsrats zu prüfen. KI-Governance in österreichischen Finanzinstituten endet nicht beim EU AI Act.

Warum ist das ArbVG für KI relevant?

Vor allem wegen der Informationsrechte des Betriebsrats und der Mitbestimmung bei Kontrollmaßnahmen oder automationsunterstützten Datenverarbeitungssystemen. Das österreichische Arbeitsverfassungsrecht enthält dafür mehrere Ansatzpunkte.

Welche ArbVG-Bestimmungen sind für KI zentral?

§ 91 Abs. 1 ArbVG, § 96 Abs. 1 Z 3 ArbVG und § 96a ArbVG; § 96a kennt Ausnahmen, die im Einzelfall zu prüfen sind.

BestimmungBedeutung für KI
§ 91 Abs. 1 ArbVGAllgemeines Informationsrecht des Betriebsrats zu Angelegenheiten, die wirtschaftliche, soziale, gesundheitliche oder kulturelle Interessen der Arbeitnehmer berühren; § 91 Abs. 2 ergänzt die Auskunft über automationsunterstützt verarbeitete Arbeitnehmerdaten. (§ 89 ArbVG betrifft demgegenüber die Überwachungsbefugnisse des Betriebsrats.)
§ 96 Abs. 1 Z 3 ArbVGZustimmungspflichtige Kontrollmaßnahmen und technische Systeme zur Kontrolle von Arbeitnehmern, soweit sie die Menschenwürde berühren.
§ 96a ArbVGMitbestimmung bei Systemen zur automationsunterstützten Ermittlung, Verarbeitung und Übermittlung personenbezogener Arbeitnehmerdaten sowie bei Systemen zur Beurteilung von Arbeitnehmern. Nicht jede Verarbeitung von Mitarbeiterdaten ist zustimmungspflichtig: Voraussetzungen und Ausnahmen des § 96a sind im Einzelfall zu prüfen.

Welche KI-Systeme sind typischerweise ArbVG-relevant?

Fünf Typen: HR-KI im Recruiting, Leistungs- oder Qualitätsmonitoring, Call-Center-Analyse, Chatbots mit Mitarbeiterdaten und KI-gestützte Vertriebssteuerung.

KI-SystemPrüfung
HR-KI im RecruitingBewerberdaten, Scoring, Auswahlunterstützung und Transparenzpflichten prüfen.
Leistungs- oder QualitätsmonitoringKontrollmaßnahme und Menschenwürdebezug sorgfältig bewerten.
Call-Center-AnalyseMitarbeiterinteraktionen, Bearbeitungszeiten und Qualitätsscores können mitbestimmungsrelevant sein.
Copilot oder Chatbot mit MitarbeiterlogsProtokollierung, Auswertung und Zweckbindung prüfen.
Vertriebssteuerung mit KIZielmessung, Ranking und personenbezogene Auswertungen auf § 96/96a prüfen.

Was passiert, wenn der Betriebsrat zu spät eingebunden wird?

Ein KI-System kann technisch und nach EU AI Act gut dokumentiert sein und trotzdem arbeitsverfassungsrechtlich problematisch werden, wenn Betriebsrat, Zweckbindung und Betriebsvereinbarung nicht rechtzeitig berücksichtigt wurden. Das Risiko liegt dann nicht nur in der Umsetzung, sondern auch in Reputation, Projektverzögerung und Datenschutz.

Was sollte eine Betriebsvereinbarung zu KI regeln?

Sechs Punkte: Zweck und Grenzen, Datenkategorien, Auswertungen und Zugriffe, menschliche Aufsicht, Aufbewahrung und Löschung sowie Änderungsprozesse.

  • Zweck und Grenzen des KI-Systems
  • Datenkategorien und Datenquellen
  • Auswertungen, Rollen und Zugriffsbefugnisse
  • menschliche Aufsicht und Überprüfungsrechte
  • Aufbewahrungsfristen und Löschkonzept
  • Änderungsprozess bei wesentlichen System- oder Zweckänderungen

Wie wird die ArbVG-Prüfung in die KI-Governance eingebunden?

Die ArbVG-Prüfung gehört als Feld ins KI-Inventar. Für jedes System sollte erkennbar sein, ob Mitarbeiterdaten betroffen sind, ob Kontrollfunktionen bestehen und ob Betriebsratseinbindung oder Betriebsvereinbarung erforderlich ist.

Ing. Mag. Patrick Eiler

Über den Autor

Ing. Mag. Patrick Eiler

Patrick Eiler berät Banken und Versicherungen in Wien zu aufsichtlichem Meldewesen, Datenarchitektur und KI-Compliance. Über zwanzig Jahre in Banken, Versicherungen und Finanzdienstleistung; Vortragender beim Hypo-Verband (Fachsitzung 23. September 2026).

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Hinweis: Diese Seite dient der allgemeinen Information zu arbeitsverfassungsrechtlichen Schnittstellen der KI-Governance und ersetzt keine arbeitsrechtliche Beratung. Stand: Oktober 2026.